Figurenentwicklung

Nun gut jetzt haben wir eine Biografie unserer Figur. Aber wie wird aus diesen Stichpunkten die wirkliche Figur aus Fleisch und Blut? Um diese Frage richtig beantworten zu können muss man sich zunächst bewusst machen was eine gute Figur ausmacht. Dabei kann man vier Eigenschaften aufzählen, welche unbedingt in eine Figur einfließen müssen:

  • Die Figuren brauchen klar definierte Bedürfnisse
  • Die Figuren besitzen eine eigene Weltsicht
  • Die Figuren verkörpern eine Haltung
  • Die Figuren verändern sich im Laufe der Handlung

Das dramatische Grundbedürfnis ist das, was die Geschichte antreibt. Es muss nicht zwangsläufig im Film erwähnt werden, aber der Autor muss es unbedingt wissen. Häufig ändert sich das dramatische Bedürfnis (meistens bei Plot Point 1) und läutet damit den eigentlichen Beginn der Geschichte ein.

Ebenso hat jede Figur eine eigene Weltsicht einen eigenen Standpunkt. Und dieser beeinflusst zum einen, wie die Figur die Welt um sich herum wahrnimmt, aber auch wie die Figur von anderen Menschen betrachtet wird. Sich also Gedanken über den Standpunkt der Figur zu machen ist nötig um im Drehbuch ein möglichst realistisches Bild abzubilden.

Die Haltung unterscheidet sich in derlei Hinsicht vom Standpunkt, dass sie eine intellektuelle Entscheidung benötigt. Eine Haltung ist auch stets wertend wie beispielsweise Urteile oder Meinungen. Ich gebe zu, Haltung vom Standpunkt zu unterscheiden fällt nicht immer leicht. Aber es ist auch nicht wichtig ob ein bestimmter Charakterzug Haltung oder Standpunkt ist. Die Figur ist die Summe aus allen vier Teilen. Wichtig ist nur, dass alle Teile berücksichtigt werden.

Kommen wir nun zum letzten Punkt. Es ist nicht immer notwendig, dass sich eine Figur verändert. Aber das Wesen des Menschen scheint geprägt von Veränderungen zu sein. Falls sich die Figur allerdings verändert (und das tut sie in den meisten Fällen), dann muss dem Autor an dieser Stelle klar sein, wie diese emotionale Kurve der Veränderung verlaufen wird und wo diese ihr Ende findet.

Aber dabei dürfen wir eine wichtige Sache nicht vergessen. Wir wollen ein Drehbuch schreiben, und Film ist ein visuelles Medium. Daher sollte stets versucht werden den Charakter der Figur visuell darzustellen. Denn im Drehbuch wird eine Figur allein durch das was sie tut dargestellt, nicht das was sie sagt.

Gute Dialoge zu schreiben ist eine Kunst. Dabei gilt allerdings zu beachten, dass Dialoge in einem Drehbuch nur zwei Funktionen haben können. Entweder bringen sie die Geschichte voran, oder sie zeigen etwas über die Hauptfigur. Alle weiteren Dialoge sind unnötig und sollten gestrichen werden. Es ist nicht einfach gute Dialoge zu schreiben, aber je mehr man übt, desto besser werden die Dialoge.

Das Ziel der ganzen Recherche und Vorarbeit ist, dass am Ende Figuren entwickelt werden, die authentisch und real wirken und handeln. Das hat oberste Priorität.

Zum nächsten Thema

Zurück zur Startseite