Enden und Anfänge

Wie beginne ich ein Drehbuch? Welche Szene, welche Sequenz steht ganz am Anfang. Man hat wie schon in vorhergegangenen Kapiteln erwähnt ungefähr 10 Minuten Zeit dem Zuschauer oder dem Leser den Film schmackhaft zu machen. Dies gilt selbstverständlich nur für abendfüllende Spielfilme. Wenn man sich in Bereiche wie beispielsweise Youtube begibt liegen diese Zeiten teilweise schon unter einer Minute.

Aber bleiben wir mal bei den Langzeit Spielfilmen. Man hat zu Beginn 10 Minuten Zeit um folgende Fragen zu klären:

  • Wer ist die Hauptfigur?
  • Um was geht es in dem Film?
  • Welche Umstände beeinflussen die Geschichte?

Wenn wir uns nochmal das Paradigma anschauen fällt uns etwas auf. Es gibt eine Richtung. Es gibt ein Ziel. Wir beginnen am Anfang und finden am Schluss ein Ende. Und diese Erkenntnis ist beim Film weitaus wichtiger als es beim Schreiben eines Romans ist. Man MUSS das Ende des Films kennen wenn man den Anfang schreiben möchte. Dabei geht es nicht um die letzte Einstellung oder letzte Szene sondern darum, wie die Geschichte aufgelöst wird. Um beim Beispiel Herr der Ringe zu bleiben: Schaffen sie es den Ring zu zerstören oder scheitern sie?

Wir können nur einen packenden Anfang schreiben wenn wir auch das Ende kennen. Wir beginnen ja auch nicht etwas zu kochen ohne zu wissen was es werden soll. Wir legen also zuerst unser Ziel fest und suchen dann die Zutaten heraus. Genauso funktioniert das auch beim Drehbuch schreiben.

Aber gerade den Schluss zu schreiben bereitet vielen angehenden Drehbuchautoren noch Probleme. Daher enden viele Amateur-Drehbücher meist mit dem Tod der Hauptfigur, da ja ein Heldentod immer irgendwas dramatisches hat. Aber das ist auf lange Sicht nicht zielführend. Ein Schluss darf nicht konstruiert oder unlogisch wirken. Ein Schluss muss sich passend an die davor erzählte Geschichte anhängen.

In Hollywood wird nach den ersten 10 Seiten des Drehbuchs entschieden ob ein Drehbuch funktionieren kann oder nicht. Wenn das Drehbuch den Leser nicht fesseln kann, dann wird der fertige Film den Zuschauer auch nur schwer fesseln können. Daher ist diese ganze Exposition enorm wichtig. Aus diesem Grund beginnen auch viele Filme mit actiongeladenen Szenen da diese auf jeden Fall beeindrucken. Ein prominentes Beispiel aus neuerer Zeit wäre hier der 2. Teil von Guardians of the Galaxy. Aber natürlich kann auch ein Film ohne solch ein Effekt-Gewitter gleich zu Beginn fesseln. Harry Potter fängt beispielsweise sehr gemächlich an.

Wie die Eröffnungssequenz für das eigene Drehbuch aussehen muss legt alleine die Geschichte fest. Passt ein actionreicher Anfang oder wäre ein doch eher gemächlicher Beginn logischer? Wir erinnern uns, Drehbuch schreiben bedeutet immer Fragen zu stellen und auf Basis der daraus folgenden Antworten Entscheidungen zu treffen.

Gerade der Anfang muss also gut durchdacht sein. Und hierfür muss der Autor vier Dinge wissen:

  • Das Ende
  • Der Anfang
  • Plot Point 1
  • Plot Point 2

Und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Der Anfang entscheidet darüber ob der Leser das Drehbuch weiterliest oder nicht. Und das ist gleichzusetzen mit ob der Zuschauer den Film weiter schaut oder abbricht.

Es kann durchaus passieren, dass zu Beginn ein Ende gewählt wurde aber im Laufe des Schreibprozesses sich dieses Ende verändert. Das ist auch überhaupt nicht schlimm. Das wichtigste ist, dass der Film am Ende in sich geschlossen und logisch ist. Dass er alle in der Geschichte gestellte Fragen auch auflöst. Wichtig ist aber trotzdem, dass zu Beginn ein Ende festgelegt wird, auch wenn sich das noch ändern mag. Denn nur wer sein Ende (also sein Ziel) kennt kann einen guten Anfang schreiben.

Um zu prüfen ob der Anfang funktioniert, können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Setzt der Anfang die Geschichte in Bewegung?
  • Stellt der Anfang die Hauptfigur vor?
  • Macht der Anfang die dramatische Prämisse klar?
  • Wird die Situation deutlich beschrieben?
  • Wird ein Problem eingeführt?
  • Ist das dramatische Bedürfnis der Figur deutlich?

Bei einem Drehbuch hängt alles voneinander ab. Alles hat eine Beziehung zueinander. Wenn am Anfang etwas geändert wird, dann bewirkt das auch eine Änderung auf später geschehende Ereignisse. Wenn wir etwas am Ende verändern, dann müssen wir auch den Anfang anpassen.

Der Leser muss am besten schon ab dem ersten Wort wissen, um was es in der Geschichte geht. Und dieser rote Faden muss sich bis zum Ende ohne Unterbrechungen durchziehen.

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