Der Aufbau

Wie kann man also den Aufbau eines Drehbuchs beschreiben. Hierfür hilft ein sogenanntes Paradigma. Ein Paradigma beschreibt einen bestimmten Rahmen in dem sich einzelne Attribute ändern können wodurch allerdings das Endprodukt nicht verändert wird. Beispielsweise muss ein Tisch immer eine Tischplatte und eine bestimmte Anzahl an Tischbeinen besitzen. Innerhalb dieses Paradigmas gibt es Tische mit großen/kleinen oder eckigen/runden Platten. Ebenso gibt es Tische mit 3/4 oder auch mal nur einem Tischbein. Am Ende kommt immer ein Tisch raus.

Bei einem Drehbuch gibt es im Großen und Ganzen drei Akte. In einem Spielfilm dauert der erste Akt ungefähr 30 Minuten, der zweite 60 Minuten und der letzte wiederum 30 Minuten. Dabei gibt es eine Faustregel die besagt, dass eine Seite Drehbuch ungefähr eine Minute Film ergibt. Dabei ist egal was auf dieser Seite steht. Das ist allerdings nur ein Richtwert und hängt ebenso von Faktoren wie der Inszenierung etc. ab, die allerdings im Normalfall nicht mehr vom Drehbuchautoren kontrolliert werden können.

Versuchen wir also nun die verschiedenen Akte genauer unter die Lupe zu nehmen:

Erster Akt: Set-Up oder Exposition

In dem ersten Akt werden die Figuren und ihre Beziehungen untereinander vorgestellt. Ebenso wird die dramatische Prämisse, also das worum es in der Geschichte geht festgelegt. Als drittes wird auch die Situation, also die Umstände die die Handlung umgeben definiert.

Hierbei sind die ersten 10 Seiten die wichtigsten im gesamten Film überhaupt. Denn ein Zuschauer entscheidet schon in den ersten 10 Minuten ob ihm ein Film gefällt oder nicht.

2. Akt Konfrontation

Der zweite Akt ist davon geprägt, dass die Figuren vor Hindernisse gestellt werden. Diese Hindernisse halten die Hauptfigur davon ab ihr dramatisches Grundbedürfnis zu befriedigen. Dafür ist allerdings notwendig, dass man selber weiß was die Figuren überhaupt erreichen wollen. Erst durch dieses Wissen kann der Autor funktionierende Hindernisse konstruieren. Im zweiten Akt müssen die Hauptfiguren eben diese Hindernisse überwinden.

3. Akt: Die Auflösung

Zu Beginn muss erstmal klar gestellt werden, die Auflösung ist nicht das Ende. Die Auflösung ist eine Lösung und zeigt wie das Drehbuch aufgelöst wird. Die Auflösung ist also der Handlungsabschnitt, in dem die Geschichte eine Lösung findet. Im Gegensatz dazu ist das Ende die wirklich letzte Szene die am Schluss des Drehbuchs steht.

Die Plot Points

Die Frage die man sich nun stellen kann ist „Wie gelangt man nun von Akt zu Akt?“, und hier kommen die Plot Points ins Spiel. Diese geben der Handlung einen Schub in eine andere Richtung.

Ein Beispiel gefällig? Das wohl prominenteste Beispiel ist der Herr der Ringe. Zu Beginn des Films werden die einzelnen Charaktere vorgestellt (die ersten 10 Minuten). Danach macht sich die Gruppe zu den Elben auf und es wird ganz klar: Das dramatische Grundbedürfnis der Gruppe ist es den Ring sicher zu den Elben zu bringen. Dort angekommen nimmt allerdings die Handlung eine nicht vorhergesehene Wendung. Denn der Ring ist bei den Elben nicht sicher und so entsteht die Gemeinschaft des Ringes. Dadurch ändert sich auch das dramatische Grundbedürfnis denn nun lautet es: „Der Ring muss ins Feuer geworfen werden“. Und die eine Szene die dafür sorgt, dass sich das dramatische Grundbedürfnis ändert ist ein Plot Point.

Das Paradigma sieht zwei Plot Points vor. Einen am Ende des 1. und einen am Ende des 2. Akts. Die Plot Points verankern die Geschichte in der Storyline und bringen die Handlung voran. Ebenso müssen die Plot Points keine spektakulären Szenen sein. Im Beispiel von Herr der Ringe ist es einfach nur ein Gespräch.

Ebenso kann es in einem Drehbuch noch weitere Plot Points geben. Die zwei genannten sind allerdings die wichtigsten und dürfen nicht fehlen, da sie die Abschnitte miteinander verbinden.

Über das Paradigma

Abschließend kann man über das Paradigma noch folgendes sagen: Jeder gute Film passt in das Paradigma, aber nicht jeder Film der das Paradigma erfüllt ist automatisch ein guter Film.

Was zeigt uns das? Das Paradigma ist eine Form und keine Formel.

Eine Form beschreibt ein Produkt welches aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt sein kann. Die einzelnen Bestandteile können variieren, doch die Form wird sich dadurch nie verändern. Ein Plätzchen welches durch eine Form hergestellt wird, ist und bleibt ein Plätzchen egal welcher Teig benutzt wurde.

Eine Formel wiederum beschreibt ein Produkt, welches aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt ist. Die einzelnen Bestandteile können sich jetzt allerdings nicht mehr ändern, ohne dadurch ebenfalls die Formel zu ändern. Ein Käsekuchen wird eben zu einem Apfelkuchen wenn die entsprechenden Bestandteile der Formel abgeändert werden.

Schlussendlich ist jedes Drehbuch einzigartig (es ist eben doch eine Kunstform) und die Geschichte bestimmt die Struktur und nicht umgekehrt. Ebenso ist das Paradigma keine Garantie, dass ein Drehbuch auch einen guten Film abwirft. Jeder gute Film passt aber wie oben beschrieben ins Paradigma.

Am Ende dieses Kapitels noch zwei kleine Tipps:

  • Jeder sollte selbst Filme anschauen und dort versuchen das Paradigma zu erkennen. Dadurch kann man lernen wie erfolgreiche Autoren ihre Drehbücher aufbauen
  • Ebenso hilft es Drehbücher zu lesen. Dies sorgt zum einen dafür, dass man ein Gefühl für die Form Drehbuch bekommt. Zum anderen kann man so gut vergleichen wie etwas im Drehbuch geschrieben wurde und wie es visuell im Film umgesetzt wurde.

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